Konsum
– Design Wettbewerb der Bünde Biennale-
Vorwort
Diese Seite entsteht als Aufarbeitung meiner Recherchen für den Plakat Wettbewerb der Bünde Biennale zum Thema Konsum. Ich möchte hier Probleme anführen über die ich gestolpert bin, aufzeigen warum Social Media so ein verstärkender Faktor ist – meinen Struggle mit diesem Thema allgemein festhalten, die Recherche offen legen.
Recherche
Sehr grob heruntergebrochen… die Weichen für den Massenkonsum
Da dieses Thema unfassbar komplex ist, habe ich hier eine Zusammenfassung meiner Hintergrundrecherche zusammengetragen.
Menschen sind lebensfähig, wenn Grundbedürfnisse [1] wie Essen, Trinken, Schutz & soziale Kontakte vorhanden sind. Menschen tauschen Waren um diese Bedürfnisse über einen längeren Zeitraum zu sichern.
Aus Angebot und Nachfrage entstanden Märkte. Die Münze wurde erfunden und erste Währungen etabliert.
Adam Smith der Urvater des Kapitalismus
Adam Smith 1723-1790 forderte die Selbstbestimmung aller Art und Umfang der Produktion. Er begründete so den theoretischen Ansatz der heutigen freien Marktwirtschaft. [2]
19 Jahrhundert
Die Industrialisierung brachte globale Vernetzung von Märkten und Kapitalströmen. Durch neue Technologien und globalen Handel wurde es einfach wie nie, Produkte massenhaft zu fertigen. Dies förderte auch einen gewissen Wohlstand der Familien.
Propaganda = modern Public Relations
Edward Bernay schaffte es in den 1920er Jahren die verpöhnte Propaganda-Arbeit mit einem simplen Image-Wechsel zu legitimieren. Die Zeit der PR Agenturen bricht an. [4] timestamp: 10:28
„Fackeln der Freiheit“
Eine Schlüsselfigur in dieser Entwicklung war Edward Bernays, ein US-amerikanischer Pionier auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda. [3] In seinem Nachruf wurde er als „der Vater der Propaganda“ bezeichnet.
Er gilt als einer der Begründer der modernen Public Relations. [4] In den 1920er-Jahren entwickelte Bernays Strategien, um Produkte mit emotionalen und sozialen Bedeutungen aufzuladen. Ein bekanntes Beispiel ist seine Kampagne, die das Rauchen bei Frauen als Akt der Emanzipation darstellte.
Besonders perfide und schockierend fand ich die Herangehensweise:
Edward fragte den Zigarettenhersteller, was der modernen Frau denn fehle. ‚Der Penis – das ist das Einzige, was Frauen wollen und nicht haben können. Also gib ihnen einen.‘ [4] timestamp: 18:27
Menschen konsumieren nicht mehr rein aus einem Bedürfnis heraus. Sie sehen einen Lifestyle – wünschen sich diesen für ihr Leben – gesponsert von Marken die bereits mit dem perfekten Produkt vor deren Nase wedeln. [1] (Btw der Inbegriff von Social Media)
mitte 20. Jahrhundert
Die Hyperglobalisierung zeichnet sich durch multinationalen Unternehmen und dem Aufstieg des Welthandels aus.
Wirtschaftlicher Aufschwung
Das während Kriegszeiten nicht im Überfluss gelebt wird sollte klar sein. Familien kämpfen gegen Hungersnöte – also wortwörtlich ums Überleben. An Luxus und Wünsche ist nicht zu denken – obwohl genau das vorgelebt wird. Nach dem Krieg ist es auf einmal wieder möglich diese Wünsche zu erfüllen.
Dank unserer modernen Technik findet Werbung seinen Weg (erst durch das Radio, dann durch Fernsehen & Computer) direkt in unser Wohnzimmer. Mit dem Handy nehmen wir sie auch noch überall hin mit. 24/7 erreicht uns Werbung. Ein Traum wird wahr für jeden Edward Bernay unserer Zeit.
Hauls, Luxus... tschüss Realität
Influencer zeigen Auschnitte eines perfekten Lifestyles, normalisieren absurden Bezug zu Lebensmittel oder Luxusgütern (Beispielsweise der „In Essen baden“ Trend oder die Scam Dubai Schokolade). Umso grotesker, umso mehr wird geklickt, gekauft und werden die fragwürdigen Placements legitimiert. Gleichzeitig erwecken diese Extreme den trügerischen Anschein Realität zu sein. Und schaffen so den Wunsch bei ihren Zuschauern nach diesem perfekten, sorglosen Leben ohne jeglichen Bezug zu Geld [5], zur Umwelt – zur Realität.
Eine Welt versinkt im Müll
Der Konsum ist so tief in uns verankert, dass das Bewusstsein des Problems eines einzelnen nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ich als Person kann darauf achten, dass ich nicht zu viel kaufe… kein Essen verschwende usw. Während im Gegenzug ein Influencer mit einer Reichweite von mehreren Millionen gezielt von Firmen angeworben wird, um einen konsumlastigen Lifestyle zu idialisieren.
Greenwashing
Green is the new White
Greenwashing (auf Deutsch „Grünwaschen“) bezeichnet die Praxis, durch Marketing und Kommunikation ein grünes Image zu erzeugen, ohne dass die tatsächlichen Unternehmenspraktiken nachhaltig sind. Es ist also sinnbildlich die Hände in Unschuld waschen. Was sich effektiv ändert ist die Farbe des Mülls.
Warum ist das so problematisch?
Uns wird suggeriert: Wir tun etwas Gutes, wenn wir dieses Produkt kaufen. Wurde ja grün Produziert. No harm done. Dann stellt sich raus: Ja blöd… da ist jetzt doch ein Wald drauf gegangen [6] Das Produkt lässt sich gar nicht recyclen… hups… [7] Die Hose ist ja garnicht „Made in Germany“ [8] wie kann denn nur diese schwimmende Müllinsel entstehen… wild. [9]
Sorry… ich denke man merkt: Das Thema macht mich sauer.
Fazit
Marken kommunizieren, was wir hören wollen. Nicht unbedingt das, was der Realität entspricht
Seit mehreren Jahrhunderten nutzen Unternehmen Werbung, um Bedürfnisse zu schaffen, die vorher nicht existierten. Sie verkaufen uns nicht nur Produkte, sondern Gefühle, Zugehörigkeit – und seit einiger Zeit das gute Gewissen gleich mit.
Greenwashing ist der perfekte Deckmantel für ein krankes System.
Anstatt ihr Handeln grundlegend zu verändern, kleiden sich viele Unternehmen in ein grünes Image. Sie sprechen von Nachhaltigkeit, verkaufen aber weiterhin das gleiche Produkt – nur mit anderem Etikett.
So wird Konsum zur Pseudo-Moral: Wir kaufen mehr, um uns besser zu fühlen.
Dabei merken wir oft nicht, dass wir getäuscht werden – nicht von einzelnen Produkten, sondern von einem System, das Veränderung simuliert, um Wachstum zu sichern.
Das Problem ist nicht der einzelne Konsument – sondern die Marken, die Verantwortung als Marketing-Tool benutzen. [10]
Je mehr sie uns suggerieren, dass jeder Einkauf ein Akt des Umweltschutzes sei, desto weniger Raum bleibt für echten Wandel. So verlieren wir das Vertrauen in ernst gemeinte Klimaschutzmaßnahmen.
Design
Inspiriert ist das Plakat von 70er Jahre Comic Cover, 20er Jahre Plakaten und einem bewussten Stilbruch im unteren Teil um einen alternativen Weg einzuleiten.

Unser Überkonsum bringt eine Vielzahl an Problemen mit sich: Kinderarbeit und Ausbeutung, Billigfleisch aus Massentierhaltung, der massive Einsatz von Palmöl, Fast Fashion, Plastikverpackungen und eine Wegwerfmentalität.
Für das Plakat musste ich mich auf einen Aspekt konzentrieren – und habe mich für Greenwashing entschieden. Denn es befeuert all diese Probleme, sobald eine Marke ihr Image aufpoliert, ohne wirklich etwas zu verändern
Der Mantel als Brücke zwischen Titel und Greenwashing
Grüne Farbe überdeckt die grellen Kaufaufforderungen auf dem Mantel.
Die ungleichmäßige Linie zwischen Grün und Orange wirkt bewusst provisorisch – als hätte man die grüne Schicht gerade erst hastig übergemalt.
Einige Worte verschwinden teilweise unter dem frischen Anstrich, lassen sich aber im Kopf noch vervollständigen.
Die Botschaft:
Es ist derselbe Mantel, dieselbe Marke, derselbe Anspruch an den Konsumenten: Kauf!
Nur jetzt eben – in Grün.
Kopfloser Konzernboss - das Ziel klar sichtbar
Die – bewusst männlich wirkende – Person ist kopflos.
Sie steht stellvertretend für Marken, Konzernchefs und Entscheidungsträger – für all jene, die Greenwashing betreiben.
Infos und Call to Action
Die Informationen sind bewusst im Stilbruch zum Plakat gehalten.
Durch grafische Störer und erklärenden Text wird deutlich, was es mit der grünen Farbe auf sich hat.
Im besten Fall entsteht dabei ein Aha-Moment. Der Call to Action fürht auf diese Website.
What to do
Kannst du etwas tun?
Du kannst als einzelner Konsument am besten auf dein eigenes Konsumverhalten achten. Schau dir an, von welchen Firmen die Produkte kommen, die du kaufst. Es ist wichtig zu wissen, woher die Produkte stammen, wie sie produziert werden werden.
Ein erster Hinweis ist, wenn Firmen diese Informationen nicht geben. Sind die Lieferwege und Partner nicht öffentlich? Haben sie einen Nachhaltigkeitsbericht? Und die wichtigste und auch einzige Frage die ins besondere deinem Geldbeutel hilft: „Brauch ich das?“



Pedition unterschreiben
Für einen gesetzlichen Rahmen, gegen den unverantwortlichen Umgang von Marken mit Massenkonsum.
Linksammlung
Allgemeine Recherche zu Konsum
[1] EN | Konsumverhalten https://www.jonpeddie.com/blog/the-birth-of-consumerism/
[2] DE | Adam Smith https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/smith-104.html
[3] EN | Edward bernays Buch „Propaganda“ (erstmals erschienen 1928)
[4] DE | Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache https://archive.org/details/publicrelationsmanipulationdermassedokuartehd
[5] DE | Überschuldung bei Jungen Erwachsenen https://www.youtube.com/watch?v=n-m5LZBNR4g
[6] DE | Waldrodung und europäische Firmen https://www.dw.com/de/illegale-regenwaldrodung-europ%C3%A4ische-firmen-arbeiten-mit-dubiosen-lieferanten-zusammen/a-48464511
[7] DE | Vermeidlich kompostierbare Bioplastiktüten nicht biologisch abbaubar https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Muelltueten-aus-Bioplastik-Nicht-ueberall-duerfen-sie-in-die-Biotonne,biomuell172.html
[8] DE | Der lange Weg der Jeans https://storymaps.arcgis.com/stories/256165a594fe4e3b8569886d76c422d3
[10] DE/EN | BUY NOW Dokumentation (hier ist ein Netflix abo notwendig) https://www.netflix.com/watch/81554996?trackId=268410292&tctx=0%2C0%2Cb72bdb37-20da-4bad-984a-dfa55cb8288a-457966901%2Cb72bdb37-20da-4bad-984a-dfa55cb8288a-457966901%7C2%2Cunknown%2C%2C%2CtitlesResults%2C81554996%2CVideo%3A81554996%2CminiDpPlayButton
Lösungsansätze
Lösungsansätze für Konsumenten https://www.klimasofa.org/
Greenpeace Tipps für Konsumenten https://www.greenpeace.de/engagieren/nachhaltiger-leben/10-konsum-tipps
Gegen Firmen: Pedition „Stoppt den Konsum des Konsum wegens“ https://weact.campact.de/petitions/stoppt-den-konsum-des-konsum-wegens
17Ziele.de | Ziele für Nachhaltige Entwicklung https://17ziele.de/ziele/12.html





